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Sonntag, 12. September 2010

Eine halbe Schwarzmeer- Rundfahrt

Es ist bereits eine Weile her, seit ich Odessa verlassen habe. Inzwischen liegen die Ukraine, Russland und die Tuerkei hinter mir und ich bin in Georgien angekommen, in Batumi. Der Weg fuehrte mehr oder weniger dem Schwarzen Meer entlang ostwaerts, zuerst in die Krim, dort der Kueste entlang bis die Ukraine im Osten aufhoert, da ueber die Meerenge nach Russland und dann der russischen Riviera entlang bis Russland aufhoert. Da dort fuer Nicht- Russen  auch die Moeglichkeiten der Weiterreise auf dem Landweg aufhoeren, musste ich mit der Faehre in die Tuerkei und dort meine Kuestentour fortsetzen.
Sonnenblumenfelder und blauer Himmel
(Inspiration fuer die Nationalfarben der Ukraine)
  

In einer Stadt auf dem Weg in Richtung Krim
Und weiter durch die Ebene


Die Anfahrt zur Krim- Halbinsel war vor allem eines: flach. Und laenger als erwartet. Irgendwie war ich der Ueberzeugung, dass es gleich hinter Odessa rechts runter in die Krim gehe und ich dann alle die bekannten Oertchen vor mir liegen haette. In Wahrheit ging es aber erst nach vier Tagen rechts ab und die Halbinseldurchquerung dauerte auch nochmals einen Tag. Wenig zur Attraktivitaet trug bei, dass die Strassen auf dieser Strecke stark befahren sind und man als Fahrradfahrer in der Ukraine ungefaehr den Status von Hund und Katze hat, dh wenn gehupt wird soll das Verkehrshindernis gefaelligst von der Fahrbahn verschwinden (gepresste Hunde und Katzen liegen als mahnendes Beispiel fuers Nichtbefolgen in regelmaessigen Abstaenden herum).
Immer geradeaus

Kurvenreicher Abschnitt

Ein echter Veloweg!
Der Dnjepr bei Cherson

Ukrainischer Nationalfeiertag - gleich gehts los

Kleinstadt in der Ukraine

Architektur

Skulpturale Architektur
Skulptur

Nach den Flachettapen freute ich mich auf etwas huegeliges Gelaende. Die Kuestenstrasse ab Sevastopol liess diesbezueglich keine Wuensche offen, gerade Abscnitte hatten nun Seltenheitswert, staendig geht es da ein- zweihundert Meter auf einen Huegel hinauf und dann wieder runter bis fast zur Kueste. Aber nur selten geht die Strasse wirklich ganz ans Meer hinunter, die Kuestenorte liegen meist abseits der Strecke. Die Kueste ist huebsch, errinnert ans Mittelmeer und an vielen Orten wird auch fleissig eine Benidormisierung vorangetrieben mit riesigen Bettenburgen, die aber oft erst  im Rohbau stehen (oder steckengeblieben sind) oder vorlauefig nur auf grossen Plakaten zu sehen sind.
Sevastapol ereicht

Hoffentlich nicht die Schwarzmeerflotte

Zeltplatz

Ich bin auch noch dabei

Kueste auf der Krim

Mehr Krimkueste

Yalta aus der Ferne

Dann gab es auf der Krim auch einige geschichtstraechtige Orte, beispielsweise Sevastopol, das noch die russische Schwarzmeerflotte beherbergt (habe ich wohl nicht entdeckt) oder Yalta, wo die Aufteilung Europas nach dem 2. Weltkrieg vorgenommen wurde. Heute findet vor allem kommuner Sommermassentourismus statt, wo man sich als Radtourist dann etwas fremd vorkommt. Doch bekam ich so einen Einblick in die ukreinische und russische Sommerferienkultur. Verbreitet sind noch immer die 'Sanatorien' und 'Pensionate', grosse hotelartige Komplexe welche vom Staat oder grossen staatlichen Firmen waehrend der Sowjetzeit fuer die Erholung der Arbeiter erstellt wurden. Wo es einen Strand gibt, wird gerne direkt am Meer gezeltet, was mir natuerlich auch entgegenkam. Daneben gibt es auch viele private Unterkunftsmoeglichkeiten. In jedem groesseren Ort hat es zudem gleich hinter dem Strand einen Aquapark, ein Delfinarium und eine Kartbahn. Die Strandpromenade gleicht meist einem Chilbibetrieb, mit Schiessbuden, Zuckerwattenverkauefern, Hau- den- Lukas, Ramsch- und Kitschstaenden etc. Da spaziert man dann am Abend etwas rauf und runter.
Lenin in Yalta

Was Lenin in Yalta sieht

Taenzchen auf dem Hauptplatz in Yalta

Yalta's Uferpromenade

Und weiter der Krimkueste entlang

Und noch mehr Krimkueste

Im Hinterland der Krim

Mobile Imkerei

Erinnerungen

An der Ostspitze der Krim setzte ich mit der Faehre nach Russland ueber und verliess nach insgesammt mehr als drei Wochen die Ukraine. Der russische Kuestenabschnitt wird gepraegt vom Kaukasus, der hinter der Kueste steil aufsteigt und so das Klima beeinflusst. Je oestlicher man kommt, umso subtropischer wird es und die letzten Tage waren richtig feuchtwarm - ein Vorgeschmack auf Suedost- Asien. Dieser Abschnitt errinnert mit seiner suptropischen Vegetation oftmals an die Tessiner Seen. Die Ferienkultur in Russland ist in etwa die selbe wie in der Ukraine. Dafuer ist die russische Kuestenstrassen- Variante etwas anders, es geht immer nur 20 bis 50 Meter rauf, hoechstens mal hundert und gleich wieder runter. Jede Einbuchtung wird dabei sauber ausgefahren und gerade Abschnitte sind ebenso unbekannt wie Bruecken oder Tunnels. So konnte ich auf diesen Abschnitten mehr Hoehenmeter sammeln als bei einer schoenen Alpenetappe.
Immer wieder interessante Denkmaeler

Morgens in einem russischen Badeort

Dazwischen schoene Buchten

Fast schon karibisches Flair an der russischen Riviera

Meist ist das Meer weit weg

Weiter entlang der Kueste

Russland ist, wie eingangs erwaehnt, eine Sackgasse, wenn man auf dem Landweg ums schwarze Meer will. Kurz nach Sochi beginnt Abchasien, das sich von Georgien abgespalten hat, was Georgien nicht so toll findet und desshalb die Grenze zu Abchasien nicht akzeptiert. Somit wuerde man auf dem Landweg via Abchasien illegal nach Georgien einreisen. Also musste in Sochi ein anderes Verkehrmittel her. Eigentlich wollte ich mit dem Schiff direkt nach Batumi, mir wurde dann erklaert, dass das aber nur Buerger der CIS- Staaten duerfen, wesshalb ich mit einer Faehre nach Trabzon in der Tuerkei uebersetzte. Die Ueberfahrt auf dem alten, verrosteten Kahn daurte die ganze Nacht, abends mit schoenen Gewittern in der Ferne, morgens mit Delphinen, die das Schiff begleiteten. Zwei Schweizer Motoradfahrer auf Schwarzmeertour und eine grosse chinesische Seidenstrasse- Expedition waren ebenfalls auf der Faehre, was zur Unterhaltung beitrug.
Sochi

Olympiapark  2014 am Schwarzmeerstrand (Winterspiele)

Hafen von Sochi

Ein Teil der chinesischen Gruppe

In der Tuerkei angekommen

Fuer drei Tage konnte ich danach noch die tuerkische Variante einer Kuestenstrasse kennen lernen: alles flach, kaum Verkehr, vierspurig richtungsgetrennt mit breitem Seitenstreifen - eigentlich richtig langweilig.
Tuerkische Kuestenstrasse
Vitaparcours in der Tuerkei,  zwischen Autobahn und Meer

Teeanbau in der Tuerkei

Erster Blick nach Georgien

Bei Batumi
Batumi, Hafen

Samstag, 21. August 2010

In Odessa

In zwei Tagen habe ich fast drei Laender durchquert und Odessa erreicht. Moldavien habe ich durchquert, die Ukraine eigentlich auch (endet schliesslich am schwarzen Meer) und das Fast- Land ist Transnistrien, das ich dafuer ganz durchquert habe.
Auf Odessa war ich besonders gespannt und ich wollte endlich auf der beruehmten Potemkin- Treppe stehen - vor zwei Jahren war Odessa schon einmal ein Reiseziel, das aber wegen Ueberschwemmungen in Moldavien nicht erreicht werden konnte. Damals wurden wir kurz nach Iasi, vor der moldavischen Grenze, zurueckgeschickt.
Dieses Mal ging die Fahrt von Iasi bis Odessa rasch. Zuerst bis nach Chisinau, der moldavischen Hauptstadt mit dem Bus - ich war fast den ganzen Weg schon in die Gegenrichtung nach Iasi gestrampelt und hatte keine Lust, das alles nochmals so genau zu sehen. In Chisinau gab es eine Stadtrundfahrt im Schnelldurchlauf, so dass ich noch bis zum Abend moeglichst nahe an die transnistrische Grenze weiterfahren konnte.
Iasi mit seinem Eifel- Hotel (ja, der, der auch Tuerme baute)

Wichtiges Gebaeude in Chisinau

Park in Chisinau

Gebauede als Park in Chisinau

Nescafe ist schon da

An der Ausfallstrasse in Chisinau

Tja, Transnistrien.Das ist eines der Gebiete in der ehemaligen Sowjetunion, das so gerne ein Land waere, aber von keinem anderen Land als ihresgleichen akzeptiert wird. Sie geben sich alle Muehe, mit einer richtigen Grenzkontrolle, mit eigenen Uniformen, eigenem Wappen, einer eigenen Waehrung und leider auch mit Gesetzen, die kein anderes Land anerkennt, was den Beamten natuerlich einen Interpretationsspielraum gegenueber vemuteten Eurotraegern eroeffnet. Eine weitere Besonderheit Transnistriens ist, dass es noch ein gewisses Vertrauen in die Errungenschaften von Lenin hat, so dass man da und dort einer Statue von ihm begegnet und auch sonst allerlei noch aktiv eingesetzte Sowjet- Memorabilia auffaellt.
Daneben gibt es aber auch die ersten kapitalistischen Vorboten wie Gllitzerglas- Bauten, die obligaten Mercedes- und Porsche- Offroader und Sheriff- Supermarkets, Sheriff- Tankstellen und den Sheriff- Fussballklub (den Baslern inzwischen sicher ein Begriff). Dem Sheriff scheint das Land zu gehoeren.
Ich war dann knapp vier Stunden nach Einreise, nach einem kurzen Halt in der Hauptstadt Tiraspol, schon wieder ausgereist. Zuvor musste ich noch eine indiviuelle Ausreisegebuehr bezahlen. Da Moldavien das Land nicht anerkennt, gibt es bei der 'Ausrseise' aus Moldavien keinen moldavischen Zoll, also auch keinen Ausreise- Stempel, was dann bei der Ausreise aus Transnistrien ein 'Big Problem' fuer den transnistrischen Beamten war, das aber mit einem 'Little Present' geloest werden konnte.

Einfahrt nach Transnistrien

Ueber dem Dnjestr in Transnistrien

Recht und Ordnung herrscht

Der Sitz der transnistrischen Regierung

In Tiraspol

In Tiraspol

Der Kapitalsimus haelt Einzug


Vom Wind angetrieben erreichte ich noch am selben Abend Odessa und stand an der Eingangs erwaehnten Treppe. Die Stadt ist: sehr schoen, sehr charaktervoll, sehr charmant, sehr touristisch, sehr teuer (fuer ukrainische Verhaeltnisse). Weitgehend unbeschaedigt durch Kriege stehen an weiten Strassen schoene pastellfarbene Haueserzeilen aus der Jahrhunderwende. Alles ist grosszuegig, helles Licht dringt durch Baumalleen, welche die Strassen flankieren. Dazu gibt es viele Parks, die zum lesen oder einfach verweilen, schauen, schlendern einladen. Dann eben auch viel Tourismus, Carladungen von Touristen, die an den Sehenswuerdigkeiten vorbei getrieben werden, am Strand die grossen Clubs mit den internationalen DJ's und in den Fussgaengerzone die ueberteurten Restaurants.
In Odessa angekommen

Odessa - der Stadtpark




Katharina die Grosse

Die Treppe

Die Treppe und ich

Regierungsgebauede mit Puschkin


Die Oper


Morgen geht es weiter, in Richtung Krim. Vor den Bergen dort erwartet mich aber noch einige hundert Kilometer ukrainische Steppe, also vor allem flach und jede Kurve wird ein Ereignis werden.